Star Wars und die Ästhetik der Kontrolle – Eine fotografische Arbeit

Star Wars Fotografie – Konzept, Lichtsetzung und Bedeutung im Bild erklärt

Jedes Jahr am 4. Mai wird Star Wars zum visuellen Dauerrauschen. Bilder, Zitate, Referenzen alles scheint bereits gezeigt.
Mich hat interessiert, ob sich hinter dieser Oberfläche noch etwas anderes finden lässt: eine Form, eine Struktur, die sich übertragen lässt.

Fuji GFX100ii 63mm 1/125s F5.6 ISO100 5000k

Im Zentrum steht die visuelle Logik des Stormtroopers.
Die Rüstung ist klar aufgebaut: Weiß bildet die geschlossene Oberfläche, Schwarz markiert die Stellen, an denen Bewegung möglich sein muss. Es sind keine dekorativen Elemente, sondern funktionale Unterbrechungen einer Ordnung.

Diese Struktur wurde im Bild übersetzt.
Ein weißes Nachthemd übernimmt die Fläche, reduziert auf eine ruhige, nahezu neutrale Präsenz. Der Eindruck einer Rüstung verdichtet sich in den gerafften Elementen auf der Brust, eine klare Referenz auf die zusätzliche Panzerung der Stormtrooper.  Die schwarzen Bandagen an Ellenbogen und Knien verschieben die ursprüngliche Funktion der Rüstung: Sie schützen nicht mehr, sondern markieren. Bewegung wird nicht ermöglicht, sie wird sichtbar gemacht. Eine klare Referenz bleibt bestehen: der Helm des Stormtroopers.

Die Figur entsteht dabei nicht als direkte Kopie, sondern als Interpretation.
Es bleibt offen, ob das Modell träumt oder aus einem Traum erwacht. Der Stormtrooper wird nicht dargestellt, sondern erinnert.

Ein zentrales Element ist das Licht.
Von rechts trifft ein roter Akzent auf das Modell, von links ein blauer. Die Referenz an die beiden Seiten der Macht ist offensichtlich, entscheidend ist jedoch die Spannung zwischen beiden Zuständen.
Das Modell wendet sich der blauen Seite zu, bleibt jedoch weiterhin vom roten Licht erfasst. Die Trennung ist nicht eindeutig, sie existiert gleichzeitig.

Fuji GFX100ii 63mm 1/125s F5.6 5000k

So entsteht die Idee einer inneren Bewegung: nicht als Handlung, sondern als Zustand. Eine Figur, die sich möglicherweise gerade darüber klar wird, wo sie steht, ohne diesen Punkt vollständig erreicht zu haben.

Zur Umsetzung wurde bewusst mit vorhandenem Licht gearbeitet. Die Sonne befand sich tief hinter der Kamera, wodurch eine zusätzliche Aufhellung von vorne nicht notwendig war.

Fuji GFX100ii 63mm F16 1/10s 5000k

Die farbigen Akzente wurden über zwei Elinchrom Five Blitze mit jeweils etwas über 500 Wattsekunden realisiert. Bestückt waren die Köpfe mit Normalreflektoren, Waben und Farbfolien von Lee.
Der Einsatz der Waben war entscheidend, um den Abstrahlwinkel zu kontrollieren und zu verhindern, dass große Teile der Umgebung ungewollt eingefärbt werden. So konnte das Licht gezielt auf das Modell konzentriert werden.

Auf Kameraseite wurde innerhalb der Blitzsynchronzeit der GFX100 II 1/125 gearbeitet, kombiniert mit einer eher geschlossenen Blende, um eine durchgehende Schärfe im Set zu gewährleisten.

In einer zweiten Variante haben wir die Blitze nicht mehr ausgelöst und mit einer längeren Verschlusszeit fotografiert. Das Modell sprang in die Luft und bewegte sich, während die Kamera auf dem Stativ stand.  Diese Technik nutze ich bewusst, um das Bild durch gezielte Bewegungsunschärfe weiter zu abstrahieren.


Der Weißabgleich wurde bewusst neutral bei 5000 Kelvin gehalten, um die Farbkontraste klar und unverfälscht abzubilden.

Eine Herausforderung ergab sich durch die Lichtsituation vor Ort.
Die blaue Seite lag auf der Sonnenseite, während das rote Licht im Schatten arbeitete. Dadurch konnte sich das Rot deutlich stärker durchsetzen, während das Blau trotz zusätzlicher Farbfolie weniger gesättigt erschien. Dieser Effekt wurde nicht vollständig ausgeglichen, sondern als Teil der Bildwirkung akzeptiert.

Die Wahl des Sets folgte klaren Kriterien.
Zunächst wurde ein Waldstück in Betracht gezogen, das jedoch zu wenig Weite bot und durch seine Struktur schwer kontrollierbar war, insbesondere im Zusammenspiel mit den gesetzten Lichtakzenten.
Die Entscheidung fiel schließlich auf eine offene Heidelandschaft. Sie ermöglichte eine klare Trennung zwischen Modell und Umgebung und verstärkte gleichzeitig das Gefühl von Leere und Isolation.

Fuji GFX100ii 110mm 1/200

In der Postproduktion wurde dieser Eindruck weiter unterstützt, indem die Grüntöne deutlich reduziert wurden. Das Bild entfernt sich dadurch von einer natürlichen Farbigkeit und bewegt sich stärker in Richtung einer abstrahierten, kontrollierten Fläche.

Eine letzte Korrektur blieb dennoch:
Eine Fliege, die sich auf dem Helm niedergelassen hatte, wurde entfernt.

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Warum ich gerne mit hochfrontalem Licht beginne