Nicht Performance, sondern Vertrauen
Auf den ersten Blick ist es manchmal schwer, ein Portrait einem klaren Genre zuzuordnen. Es gibt Bilder, die zwischen den Definitionen liegen, die wir aus der Fotografie kennen: Beauty, Fashion, Personal Branding, Commercial, Corporate.
Diese Bilder folgen keinem dieser Genres eindeutig. Sie befinden sich irgendwo dazwischen und genau darum mag ich sie sehr.
Sie sind nicht laut, nicht konfrontativ, nicht auf einen schnellen Effekt aus. Sie sind leise, fast verletzlich, ohne schwach zu wirken. Man sieht keine Performance des Models, keine Pose, die etwas beweisen will. Eher Ruhe. Einen Moment. Eine Person, die ganz bei sich ist.
Ich mag, dass die Bilder dem Betrachter überlassen, was er in ihnen sieht. Sie geben keine eindeutige Antwort, sondern schieben nur vorsichtig in eine Richtung. Das Model vertraut dem Prozess. Sie muss dem Bild nichts aufzwingen und kann genau dadurch präsent sein, ohne dass die Aufnahme zufällig wirkt.
Manchmal geht es nicht um Performance, sondern um Vertrauen.
Besonders mag ich die fließenden Stoffe und Haare. Sie wirken nicht eitel oder dekorativ, sondern zufällig, temporär, fast wie eine zweite Ebene, die um den Körper herum entsteht. Diese unklaren Formen lassen den Moment sichtbarer werden als ein genaues Posen oder Inszenieren.
Nicht zuletzt durch die sehr dunkle Schwarz-Weiß-Konvertierung bekommen die Bilder etwas Statuenhaftes. Der Körper wird nicht ausgestellt, sondern zur Form. Der Stoff, die Haare, die Haut und die Schatten verbinden sich zu etwas, das sich nicht sofort benennen lässt.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diese Bilder so mag: Sie erklären sich nicht vollständig. Sie bleiben offen. Und manchmal beginnt ein gutes Portrait genau dort und nicht bei einer klaren Aussage, sondern in diesem Zwischenraum.