Unschärfe als Stilmittel in der Fotografie

Fuji GFX100ii GF 63mm F4 1/30

Kommt man am Anfang seiner fotografischen Entwicklung mit Unschärfe in Kontakt, ist sie zunächst vor allem eines: ein Makel, den es zu vermeiden gilt.

Im Laufe der Zeit kehren jedoch spezielle Arten der Unschärfe überraschend schnell zurück, diesmal als bewusst eingesetztes Stilmittel.

Um den Einstieg in dieses Thema zu erleichtern, müssen wir zunächst verschiedene Arten von Unschärfe definieren.

Out of Focus

Diese Art der Unschärfe habe ich in meinen Anfangszeiten als erstes kennengelernt. Die Unschärfe spielt sich dort ab, wo man die Schärfe eigentlich gerne hätte.

Das klassische Beispiel wäre ein Portrait mit unscharfem Gesicht und scharfem Hintergrund.

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Motion Blur

Diese Art der Unschärfe ist untrennbar mit der Verschlusszeit verbunden und entsteht, weil sich innerhalb der Verschlusszeit das Motiv oder die Kamera bewegt.

Bei dieser Art der Unschärfe wird häufig die Stabilisierung einer Kamera oder eines Objektivs als Lösungsweg gesehen. Tatsächlich kann IBIS (In-Body Image Stabilisation) die Kamera ein Stück weit stabilisieren.

Das Motiv bleibt von der Stabilisierung jedoch unbeeindruckt.

Diese beiden Arten von Unschärfe müssen wir im Folgenden auseinanderhalten, um von derselben Art der Unschärfe zu sprechen.

Die Fehlfokussierung wird in diesem Artikel keine Rolle spielen. Wir konzentrieren uns auf die Unschärfe, die aus Bewegung resultiert.

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Schärfe trifft Unschärfe

Das Zusammentreffen von Schärfe und Unschärfe kann ähnlich wie ein Hell-Dunkel-Kontrast behandelt werden.

Ohne einen scharfen Fixpunkt ist die Unschärfe kaum als solche zu erkennen, da für das Auge alles unscharf erscheint. Baut man jedoch während des Shots scharfe Elemente ins Bild ein, wird die Unschärfe erst interessant.

Was tut Unschärfe für uns?

  • Es wird eine angenehme Imperfektion geschaffen, die aus technisch perfekten Bildern heraussticht

  • Es entsteht ein Bild, das wir so selbst nicht sehen können, das erzeugt Spannung

  • Bewegung im Bild visualisiert Lebendigkeit, eine Bewegungsrichtung, Hektik oder das Zusammenspiel von Ruhe und Dynamik

Fuji GFX100ii GF63mm F4 1/30

Das Problem mit Unschärfe im Studio und die Lösung

In einem natürlichen Set ist es deutlich einfacher, Unschärfe zu erzählen, da die Umgebung automatisch einen Fixpunkt für das Auge liefert.

Dieses natürliche Set ist im Studio häufig auf eine einzige Helligkeit reduziert, in unserem Fall Weiß.

Um diese Lücke zu füllen, empfiehlt es sich, kontraststarke Kleidung zu wählen, die sich gut vom Hintergrund abhebt.

Bei weißem Hintergrund bedeutet das: eher dunkle Kleidung. Idealerweise kommen Stoffe zum Einsatz, die leicht und fließend sind, um die Bewegung zusätzlich zu betonen.

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Blitz als ergänzendes Werkzeug

Ein weiteres Element, das im Studio helfen kann, ist ein Blitz, der das Dauerlicht ergänzt.

Am Anfang der Verschlusszeit wird das Motiv durch den Blitz kurz eingefroren. Anschließend läuft die Verschlusszeit weiter und zeichnet die entstehende Bewegung als Unschärfe auf.

Es entsteht quasi eine Doppelbelichtung:
Ein scharfes Element durch den Blitz und ein unscharfes Element durch die Bewegung während der restlichen Verschlusszeit.

Diese Kombination erzeugt besonders spannende Bilder, da Schärfe und Bewegung gleichzeitig sichtbar werden.

Fuji GFX100i GF63mm F16 1/4

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